
Seit 400 Jahren ein Wahrzeichen Aalborgs
Jens Bangs Steinhaus thront seit 400 Jahren im Herzen von Aalborg als Symbol für den Wohlstand der Stadt und ihre zentrale Bedeutung in der Renaissance. Auf bemerkenswerte Weise hat das prächtige Gebäude die Jahrhunderte überdauert und ist heute ein außergewöhnlich gut erhaltenes Bürgerhaus aus dem 17. Jahrhundert – von Bedeutung nicht nur lokal in Nordjütland, sondern auch auf nationaler Ebene.
Das berühmte Steinhaus wurde direkt an der Østerå gebaut, die damals ein kanalartiger Wasserlauf mit befestigten Ufern und direkter Verbindung zum Hafen der Limfjord war. Das Gebäude stand also praktisch am Kai, sodass Waren, die per Schiff ankamen oder weitertransportiert werden sollten, leicht ein- und ausgeladen, in die Stände im Erdgeschoss gerollt oder auf die oberen Stockwerke und den Dachboden gehievt werden konnten.
Jens Bang, der das Haus 1623–24 errichten ließ, war zu dieser Zeit der führende Kaufmann in Aalborg. Er besaß mehrere Immobilien in der Stadt, doch das neue Steinhaus wurde sein Hauptwohnsitz, in dem er mit seiner Familie und seinen Dienern lebte, einen Krämerladen und Lager im Erdgeschoss betrieb und auf den oberen Stockwerken und im Dachboden reichlich Platz für die Lagerung hatte.
Obwohl es sich um ein sehr funktionales Gebäude handelte, fiel den Menschen zuerst die Größe des Hauses und die üppig dekorierten Fassaden auf. Das neu errichtete Haus war fast doppelt so hoch wie die anderen großen Kaufmannshäuser entlang der Østerå und das nahegelegene Rathaus. Nur die Kirchtürme der Stadt ragten höher auf als dieses prächtige Gebäude.
Jens Bangs Steinhaus wurde nach niederländischen Vorbildern gebaut und ähnelt daher den großen zeitgenössischen Gebäuden entlang der Kanäle, zum Beispiel in Amsterdam. Dieser Stil war zu dieser Zeit in Dänemark modern und kennzeichnet auch andere bedeutende Bauwerke wie das Schloss Rosenborg und die Børsen in Kopenhagen.
Mit seinen hohen Giebeln, geschwungenen Sandsteinornamenten, die in den Himmel ragen, war das prachtvolle Gebäude das Werbeschild des Großkaufmanns, das niemand in Aalborg übersehen konnte. Auch heute ist das Haus noch ein markanter Teil der Skyline von Aalborg. Die Fassaden sind reich verziert mit Ornamenten, Papageienköpfen, Engelsgesichtern und Teufelsmasken. Ursprünglich waren die Ziegel rot gestrichen, während der Sandstein hell blieb. Das Sandsteinportal war in kräftigen Farben bemalt und vergoldet.

Aalborgs Antwort auf das ikonische Børsen-Gebäude in Kopenhagen
Jens Bangs Steinhaus weist – zusätzlich zum gleichen architektonischen Stil – viele weitere Gemeinsamkeiten mit der Børsen in Kopenhagen auf, die in diesem Jahr ebenfalls ihr 400-jähriges Jubiläum feiert. Leider wurde die Børsen bei dem verheerenden Brand am 16. April dieses Jahres teilweise zerstört.
Beide Gebäude wurden für den Handel errichtet. Die Børsen auf Befehl von König Christian IV. als zentraler Marktplatz der Hauptstadt und als Symbol Dänemarks als aufstrebende internationale Handels- und Seefahrtsnation. Das Jens Bangs Steinhaus in Aalborg wurde für einen der reichsten Kaufleute gebaut, der eigene Schiffe besaß.
Beide Häuser liegen direkt am Hafenquai. Die Erdgeschosse waren mit Handelsständen ausgestattet, und sowohl die Børsen als auch Jens Bangs Steinhaus wurden in demselben opulenten Stil gebaut und dekoriert.
Jens Bangs Steinhaus hat, im Gegensatz zur Børsen, harte Restaurierungen und Umbauten weitgehend vermieden. Feuer hat dem Gebäude komplett erspart geblieben, und nach dem unglücklichen Brand, der große Teile der Børsen zerstörte, ist Jens Bangs Steinhaus heute noch bedeutender als nationales Denkmal.
Das Apothekerhaus zieht ein
Nach dem Tod von Jens Bang wurde das Gebäude als Aalborgs Apotheke bekannt. 1670 kaufte der junge und unternehmerische Apotheker Johannes Friedenreich das Haus und richtete es als Apotheke ein: mit einem Verkaufsraum zur Østerå, einem Labor im Hintergebäude und Lager im Dachgeschoss.
Der Apotheker verkaufte jedoch weit mehr als die Medikamente, die er vorrätig haben musste. Neben der Arzneimittelversorgung war er auch Spezialkaufmann für Luxuswaren und Weinhändler in großem Stil. Über Europas große Handelsstädte unterhielt die Apotheke Kontakte zu den exotischsten Regionen der Welt. Fast 3.000 Rohstoffe und fertige Arzneimittel befanden sich in den Krügen und Schubladen des Apothekers. Was nicht vorrätig war, konnte auf Wunsch des Kunden beschafft werden – sofern dieser bezahlen konnte und warten wollte.
Im Keller des Steinhauses befanden sich Fässer mit Weinen aus Deutschland, Frankreich, Griechenland und Spanien. Der Wein konnte flaschenweise mit nach Hause genommen oder direkt an der Theke genossen werden, denn die Apotheke fungierte auch als Schankstube.
350 Jahre Apothekengeschichte
Die Aalborg-Apotheke war eine der ersten des Landes und lange Jahre die nördlichste. Die nächsten Mitbewerber fand man erst in Viborg oder Randers. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts versorgte das Svane-Apotek den nördlichen Landesteil mit Arzneimitteln und weiteren Apothekenwaren von Aalborg bis Skagen und Thisted.
Die Apotheker gaben sowohl ihr medizinisches Wissen als auch das Gebäude an die nächste Generation weiter. Starb ein Apotheker frühzeitig, heiratete die Witwe oft einen neuen Apotheker. Fast 350 Jahre lang hatten die Aalborg Svane-Apotheke und die Apothekerfamilie ihren Sitz in diesem Haus. Als die Apotheke 2013 geschlossen wurde, war sie das älteste Unternehmen der Stadt.
Heute beherbergt das Steinhaus unter anderem ein Restaurant, private Wohnungen und eine Arztpraxis. Im Dachgeschoss wurde ein Museum eingerichtet, das die alte Apothekeneinrichtung, Laborgeräte, Theken und Schubladen, Krüge und Gläser sowie nicht zuletzt exotische Arzneimittel zeigt – alles Dinge, die über 350 Jahre hinweg auf dem Dachboden landeten, wenn die Apothekerfamilie aufräumte.
